Der Glöckner von Notre Dame

Der Glöckner von Notre Dame

Frei nach dem Welterfolg von Victor Hugo
Textfassung und Inszenierung: Friedhelm Hahn

Inhalt:

Wie der Originaltitel verrät, steht im Mittelpunkt des Stücks die Kathedrale von Notre Dame in Paris. Um diesen Mittelpunkt herum bewegt sich, besonders gut in den Volksszenen erfasst, das Leben des ausgehenden Mittelalters, des Jahres 1482. Claude Frollo, der Erzdiakon der Kathedrale von Notre-Dame, ist besessen von der schönen Zigeunerin Esmeralda. Diese aber liebt den Hauptmann Phöbus, einen Blender und Frauenhelden. Frollo sticht seinen Rivalen Phöbus nieder und rächt sich an Esmeralda für seine Zurückweisung, indem er ihr die Schuld gibt und sie der Hexerei bezichtigt. Aber er rechnet nicht mit Quasimodo, dem verwachsenen Glöckner von Notre-Dame, den Frollo selbst einst als Findelkind aufgenommen hatte.
Auch Quasimodo hegt, so wie der verarmte Dichter Gringoire ebenfalls, eine aussichtslose Liebe für Esmeralda. Als sie vor der Kathedrale öffentlich hingerichtet werden soll, rettet er sie heldenmutig. Quasimodo versteckt die Zigeunerin in der Kathedrale. Aber auch das Kirchenasyl kann sie nicht schützen. Schließlich wird die Kathedrale gestürmt. Frollo bedrängt Esmeralda ein letztes Mal, aber sie verweigert sich ihm erneut, und so liefert er sie dem Galgen aus. Als er sich dann noch an ihren Todesqualen erfreut, muss Quasimodo sich entscheiden: Für seine Liebe zu Esmeralda oder für seine Dankbarkeit seinem Ziehvater gegenüber!
Das Stück beinhaltet mehrere Handlungsstränge, die nach und nach ineinanderfließen und ein buntes und vielseitiges Bild des französischen Spätmittelalters mit all seinen Bevölkerungsschichten zeichnen. Die Geschichte vom missgestalteten Glöckner Quasimodo, der sich in die schöne Zigeunerin Esmeralda verliebt, ist – obgleich sie meist als interessant genug angesehen wurde, um sie zur Haupthandlung einer Vielzahl von Verfilmungen zu machen – nur einer dieser Stränge. Der deutsche Titel des Romans und auch des Schauspiels »Der Glöckner von Notre-Dame« ist somit nicht ganz stimmig. Der französische Originaltitel lautet allgemeiner »Notre-Dame de Paris«. So bildet der Poet und Philosoph Pierre Gringoire den ständigen Begleiter in den einzelnen Teilen und verleiht der Handlung durch seine eigenen Ansichten, seine Überlebensstrategien und sein Auftreten als Antiheld einen ironischen, ihr eigenen Humor.
Den Beginn des Romans und auch des Stücks bildet eine Massenszene des mittelalterlichen Paris: die Doppelfeier des Dreikönigsfestes und des Narrentages am 6. Januar des Jahres 1482. Neben den Bürgersleuten und Junkern der Stadt Paris treten in dieser Massenszene auch viele Miserables auf, die den allgemeinen Aufruhr nutzen, um mit Lästereien und bösen Späßen die Freiheiten des Tages auszunutzen. Von hier aus, dem 06. Januar 1482, entwickelt sich eine faszinierende Story, eine große, aber auch dramatische Liebesgeschichte!

Über Victor Hugo:

Als der jüngste Sohn eines Offiziers, der es später unter dem Kaiserreich bis zum General und Grafen bringt, wird Victor Marie Hugo am 26. Februar 1802 in Besançon geboren. Sehr früh reist er mit seinem Vater nach Italien und Spanien und wohnt in fremden Palästen fremder Länder und füllt seine Phantasie mit großen, immer wechselnden Bildern. Von 1812 ab lebt er bei seiner Mutter, einer royalistisch gesinnten Bretonin, in Paris und widmet sich der Literatur.
Schon der Siebzehnjährige erringt mit Oden einen Preis; Chateaubriand feiert ihn bald als »das erhabene Kind«; Ludwig XVIII. setzt dem noch sehr königstreuen und katholischen Dichter, der sich schon 1822 verheiratet, ein Jahresgehalt aus. Seine katholisch-konservativen Anschauungen wandeln sich nach der Julirevolution zu mehr liberalen und bonapartistischen; auch sozialistische Einflüsse machen sich bemerkbar. 1837 erhält Victor Hugo die Ehrenlegion; 1841 wird er in die Akademie aufgenommen, 1845 zum Pair von Frankreich ernannt. Als Mitglied der konstituierenden Nationalversammlung nimmt er 1848 noch seinen Sitz auf der Rechten ein, um plötzlich – durch und durch Gefühlspolitiker – zur äußersten Linken überzugehen. Und Victor Hugo, der einst nicht wenig zur Verherrlichung Napoleons beigetragen hat, wird bei immer stärker hervortretenden demokratischen Neigungen ein heftiger Gegner des dritten Napoleon.
Nach dem Staatsstreich von 1851 muss er flüchten, geht nach Belgien, Jersey und schließlich auf die kleine englische Kanalinsel Guernsey, den »Felsen«, wo er sich ein fürstliches Haus baut und von wo aus er leidenschaftliche Pamphlete gegen den Kaiser richtet. Erst als Napoleon bei Sedan sein Schicksal ereilt, kehrt Hugo nach Frankreich zurück und beschwört in einem glühenden Manifest die siegreichen Deutschen, umzukehren und den gottlosen Gedanken an die Belagerung des heiligen Paris aufzugeben. Da die Preußen für diesen Aufruf kein Verständnis zeigen, schenkt Hugo der belagerten Hauptstadt zwei Geschütze und stimmt auch gegen den Frieden; er wird 1876 in den Senat gewählt. Bis zuletzt unermüdlich tätig, stirbt er am 22. Mai 1885 und wird im Pantheon beigesetzt.